20min.ch – Die Schweizer Clickbait Maschine

20min.ch hat wohl nicht den besten Ruf den man sich vorstellen kann, dennoch ist die gratis und online Zeitung eine der meistgelesenen der Schweiz. Dies sollte doch genug sein, um sich professionell zu verhalten? Scheinbar nicht, beweist 20 Minuten.

Clickbait, Clickbait und noch mehr Clickbait

Ich gebe zu, auf 20 Minuten sind sehr selten Artikel die dem Prototypen von Clickbait entsprechen. Mit dem meine ich Artikel welche ca. folgenden Titel haben:

„Du wirst nicht glauben was dieser Mann gemacht hat!“
„Es war ein ganz normaler Ausflug, bis etwas passiert ist!“

Nein, 20 Minuten ist da viel dezenter. Die Redaktion macht es sich scheinbar zum Hobby, Vorschaubilder und Texte einfach mal anzupassen.

Ein erstes Beispiel ist folgendes:

Links sieht man das Vorschaubild des Artikels. „25 Kilo Gold aus Zürcher Müll gesammelt“. Auf den ersten Blick kann man das Gold in dieser Mulde fast sehen. Da glänzt doch was oder? Nein. Das Originalbild (welches nicht einmal von der Zürcher Abfallentsorgung stammt) hat kein einziges Stückchen Gold drin. Was für eine Überraschung! Dafür durfte ich die laute, animierte Werbung auf der Seite anschauen. Danke.

Der Artikel befindet sich hier.

Ein weiteres Beispiel ist das folgende. Machen wir es ein bisschen spannender. Der Artikel wurde so auf Facebook gepostet:

Zigarettenstummel auf Gleisen kosten ein Vermögen! Milliarden sollen es sein. Die SBB macht zwar nur 87.7 Mio Franken Umsatz im Jahre 2015 aber trotzdem geben die Milliarden für die Entfehrnung der Zigarettenstummel aus.

Schon gewusst? Titel von verlinkten Facebook Einträgen kann man anpassen. Und das wurde hier scheinbar auch willentlich gemacht um mehr Personen anzulocken. Klicken wir doch mal auf den Artikel:

Ach was ist den nun passiert? Es sind nur noch Millionen? Wirklich? Keine Ahnung. Um das herauszufinden müsste ich mir das Video inklusive 30 Sekunden Werbung anschauen. Hier der Artikel.

Vorallem das Thema SBB scheint 20 Minuten wahnsinnig zu interessieren. Jeder kleine Fehler der die SBB macht wird sofort veröffentlicht. Am besten noch via Push Nachricht! (Aber das etwas für ein anderes mal)

Und das war auch noch längst nicht alles! Beispiele:

20 Minuten hat IS Propaganda veröffentlicht.

20 Minuten hat unverpixelte Bilder eines misshandelten Kindes veröffentlicht.

20 Minuten hat einfach mal ihre Zeitung fast unleserlich gemacht weil Werbeeinahmen.

Und zum Schluss dieser nicht abschliessenden Liste:

20 Minuten macht eins auf Blick und streicht kurzerhand das Wort „Privatsphäre“ aus dem Duden.

 

All die angesprochenen Fälle dienen nicht dazu einen guten Journalismus zu bieten, sondern sind rein auf Klicks und Geldmacherei ausgelegt.

20 Minuten hat eine gewisse Verantwortung

Ich persönlich finde, dass 20 Munuten eine Verantwortung hat. Und zwar als meistgelesene Zeitung der Schweiz die Bevölkerung zu informieren. Es darf lustig sein, es dürfen auch komische Artikel erscheinen oder man darf auch irgendwelche Nacktbilder als Thumbnail verwenden (wenn es zum Artikel passt).  Auch ist es völlig klar, dass 20 Minuten von Werbeeinahmen lebt. Das ist auch gut so – so machen Sie Nachrichten für alle zugänglich. Aber aktiv Nachrichten zu manipulieren um mehr Besucherzahlen zu erreichen ist nicht das Mittel zum Weg.

Bis 20 Minuten nicht wieder zum Journalismus zurückkehrt, rate ich allen an, die Seite nicht mehr zu besuchen. Oder ganz einfach einen Adblocker im Browser zu installieren.

 

Das nächste Segment über 20 Minuten (welches in einer Woche bis drei Jahre veröffentlicht wird) wird sich der Kommentarfunktion witmen. Nicht nur das aktive Fördern von rassistischen und doxxing Kommentaren sind Thema sondern auch die Zensur von nicht erwünschten Inhalten (wie z.B. Kommentare über den Artikel selbst).