20min Akt III – Wasser predigen und Wein trinken

Kürzlich hat eine 20min Story wieder für Aufsehen gesorgt – „SRF berichtet negativ über NoBillag“. Wir diskutieren hier nicht, dass der SRF neutral über alles Berichten sollte. Sondern wir schauen uns doch mal die Daten der Grafik der fög an.

In der Story wird stark gegen das SRF gewettert. Auch in den Kommentaren befasst man sich ausschliesslich mit der Negativität die das SRF der NoBillag Initiative entgegenbringt. Doch sollten nicht alle Medien ihre Pflicht wahrnehmen und relativ unabhängig über Initiativen berichten?

Die Originalgrafik

Schauen wir uns doch mal die Grafik der fög an:

Für mich auf den ersten Blick ganz klar eine Grafik, die nicht dafür geeignet ist darzustellen, ob der SRF oder andere Medienhäuser primär negativ über die NoBillag berichten. Denn die Spalte, die einem als erstes in den Blick fällt ist die blaue. Die blaue Spalte sagt aber nichts über den eigentlichen Sachverhalt aus sondern beschriebt nur wie viele Artikel die Zeitung zur NoBillag Initiative geschrieben hat. Die Kernaussage befindet sich in der Tonalität, der grünen Spalte. Dies ist keine Kritik an der fög sondern eher an dem, wie 20min diese Information beschreibt. Denn wie die Kommentare zu lesen sind, haben das eher wenige verstanden.

20min als „Gewinner der Grafik“

20 Minuten scheint hier mit einer Tonalität von -14 (es wurde eher ein bisschen Negativ berichtet, aber relativ nahe an 0 dran) ein gutes Vorbild zu sein. Interessant wäre es zu erfahren, wie diese Daten zusammen gekommen sind. 20min.ch schreibt oft extreme Berichte um mehr Klicks zu generieren. Hier denke ich, dass viele Berichte entweder extrem positiv (wie der Artikel, über den wir gerade sprechen) und viele, aber ein bisschen mehr, negativ sind.

Tonalität über die Medienhäuser

Andere Zeitungen die eher im negativen Bereich liegen fallen da schon mehr auf. Was mir aber auf den ersten Blick auch auffällt sind die enorme Anzahl von Tamedia Zeitungen die im negativen Bereich sind. Also habe ich die Daten kurz zusammengefasst und eine Gesamtübersicht der Tonalität über die einzelnen Medienhäuser erstellt:

In der Grafik ist klar zu sehen, dass die Tamedia doch einiges negativer über NoBillag berichtet als der SRF (welcher nur mit zwei Kanälen zu Buche schlägt, Tamedia hingegen mit acht). Die ganz negativen und positiven Ausreisser sind einzelne Zeitungen ohne Medienhäuser oder im Selbstvertrieb.

Fazit

Sollte sich also 20min Anmassen über das SRF so zu wettern, wenn das Mutterhaus nichts anderes macht? Oder sollten sich alle Medienhäuser an der Nase nehmen und versuchen neutrale Berichtserstattung zu machen? Die nicht-neutralen Berichte flattern ja sowieso über die Parteien ins Haus und auf den Bildschirm.

20min Akt II – Der Untergang

Personen die Werbung im Browser blockieren, werden in Zukunft von 20minuten.ch ausgesperrt. Diese drastische Massnahme ist es Tamedia Wert um die Einnahmen zu erhöhen. Dies ist die Geschichte von einer Dystopischen Zukunft, Gratis-Zeitung-Abos und über den Untergang der Gratis-Zeitung. 

Es ist der 01. November 2017. 20minuten.ch veröffentlicht ohne grosse Ankündigung einen Artikel: http://www.20min.ch/schweiz/news/story/12709919
Keine Push Nachricht weisst darauf hin und der Artikel verschwindet auch nach wenigen Stunden aus der Top Page. Trotzdem geben sich 267 User die Mühe einen Kommentar zu erstellen. Der Top Kommentar hat sogar mehr als 2500 „Likes“.

Die kurz gehaltene Nachricht besagt folgendes: Tamedia wird auf all ihren Plattform im Verlauf von 2018 Adblocker Benutzer von den Tamedia News Portalen aussperren.
Diese Massnahme betrifft vorerst die Portale 20min.ch und tagesanzeiger.ch.

Wenn ich an 20minuten.ch denke, denke ich sicherlich nicht an Qualität. Auch eines der Gründe wieso ich genau auf dieser Seite den AdBlocker einschalte. Die Full-Screen Werbungen im Hintergrund und die Videos, bei denen immer eine Minute Werbung vorgespielt wird sind weitere Gründe. Würde 20minuten.ch auch Journalismus betreiben, und nicht dieser Aeuche des „Clickbait-ismus“ nachgehen, würde es sich tatsächlich lohnen hier auch Werbung zu sehen.

Doch Tamedia denkt gar nicht an die Verbesserung der Qualität. Für sie ist Werbung die einzige Einnahmequelle. Das verstehe ich natürlich. Aber Tamedia macht alles um dieses Einnahmepotential vollständig auszuschöpfen. Obwohl in der Nahen Vergangenheit einen Skandal mit den Werbeanbietern von 20minuten.ch und anderen Tamedia Portalen gab: http://www.20min.ch/digital/news/story/20minuten-ch-erneut-Ziel-von-Malware-Attacke-15457508

Gratis-Zeitungs-Abos und Dystopische Zukunftsaussichten

Tamedia-CEO Christoph Tonini gibt AdBlock User drei Optionen:

AdBlocker deinstallieren

Natürlich naheliegend ist das deinstallieren des AdBlockers. Man könne ja auch 20minuten.ch als Ausnahme hinzufügen – so verdient wenigstens nur Tamedia etwas daran und nicht auch noch die Konkurrenz. Für mich ein absolutes No-Go. Ich werde für 20min diesen erst deaktivieren, wenn die Qualität stimmt.

Wochenabo für 2.- pro Woche lösen

Für 104.- im Jahr kann man die Gratis Zeitung kaufen. Dafür gibt es keine Werbung. Somit bekommt Tamedia nicht nur das Geld für das Abo sondern auch unzählige an personalisierten Daten. Denn ein Abo benötigt ein Account. Ein super Deal also für Tamedia.

Werbevideo anschauen für 60min gratis Nutzung

Wer die Folge „Shut Up and Dance“ der Netflix Serie „Blackmirror“ kennt, muss hier schmunzeln. Die Folge beschreibt eine dystopische Zukunft in der man nur zum Star wird wenn man sich beim grossen bösen Medienunternehmen anmeldet und auf einem Drahtesel Punkte verdient. Das Schlafzimmer sowie auch das „Fitness Studio“ besteht nur aus Fernsehern auf denen Sendungen des Medienunternehmens laufen. Oft wird das Programm unterbrochen durch Werbung. Man kann die Werbung mit den hart verdienten Punkten überspringen oder die Werbung schauen. Sieht man aber absichtlich weg, merkt dies der Fernseher und fängt an penetrant zu piepsen. Die Tamedia Chef-Etage hat hier wohl ein bisschen abgekupfert.

Der Untergang

Falschnachrichten, Clickbait, Sponsored Posts und AdBlock-Block. Die vier Reiter der Apokalypse. Es gibt keinen Grund mehr auf 20minuten.ch gehen. Es gibt viele andere Nachrichtenportale die auch nur sda Nachrichten abtippen.

Folgend ein paar Alternativen:

watson.ch – Zwar vom ehemaligen Chefredaktor gegründet, bietet Watson.ch dennoch einmaligen Content an. Clickbait liegt an der Tagesordnung – aber die Posts hinter dem sind meistens lustig und / oder informativ. In vielen Teilbereichen (Watson Blogs) wird tiefgründig recherchiert und berichtet. Nicht eine Seite für tägliche News aber eine „Less Bullshit“ Seite zum sich selber informieren.

lokale Onlinezeitungen – Um Herauszufinden was aktuell so läuft, kann man gut auf die Lokalzeitungen zugreifen. Hier kann man doch gerne auch den AdBlocker deaktivieren – denn hier berichten echte Journalisten in ihrem eigenen Stil über das Tagesgeschehen. Meistens Qualität pur.

Internationale Onlinemagazine – Reuters, New York Times, The Atlantic, FAZ Online, Spiegel Online, …. Es gibt unzählige Internationale Medien in hoher Qualität. Hat man sich erst mal einen Überblick über die breite Medienlandschaft verschaffen, will man nie mehr zu 20min.ch zurück.

PiHole – Wer die Werbung deaktiviert, bevor diese überhaupt auf dem Computer landet, muss sich vor den neuen 20min Massnahmen nicht fürchten.

Prolog

Niemand mag Werbung. Niemand will Werbung. Dennoch gibt es gute Werbung. Es gibt Werbung die ist informativ oder im Hintergrund. Die Werbung kann unterhaltsam sein und gar nicht stören. Doch hier sind wir noch weit entfernt. Leser dazu zu zwingen die Werbung zu schauen ist einfach nur pervers. Passt aber irgendwie vor allem zu 20minuten.ch.
Ein Produktionsunternehmen würde zuerst die eigenen Produkte überprüfen, bevor diese zu drastischeren Massnahmen greifen.

 

 

20min.ch – Die Schweizer Clickbait Maschine

20min.ch hat wohl nicht den besten Ruf den man sich vorstellen kann, dennoch ist die gratis und online Zeitung eine der meistgelesenen der Schweiz. Dies sollte doch genug sein, um sich professionell zu verhalten? Scheinbar nicht, beweist 20 Minuten.

Clickbait, Clickbait und noch mehr Clickbait

Ich gebe zu, auf 20 Minuten sind sehr selten Artikel die dem Prototypen von Clickbait entsprechen. Mit dem meine ich Artikel welche ca. folgenden Titel haben:

„Du wirst nicht glauben was dieser Mann gemacht hat!“
„Es war ein ganz normaler Ausflug, bis etwas passiert ist!“

Nein, 20 Minuten ist da viel dezenter. Die Redaktion macht es sich scheinbar zum Hobby, Vorschaubilder und Texte einfach mal anzupassen.

Ein erstes Beispiel ist folgendes:

Links sieht man das Vorschaubild des Artikels. „25 Kilo Gold aus Zürcher Müll gesammelt“. Auf den ersten Blick kann man das Gold in dieser Mulde fast sehen. Da glänzt doch was oder? Nein. Das Originalbild (welches nicht einmal von der Zürcher Abfallentsorgung stammt) hat kein einziges Stückchen Gold drin. Was für eine Überraschung! Dafür durfte ich die laute, animierte Werbung auf der Seite anschauen. Danke.

Der Artikel befindet sich hier.

Ein weiteres Beispiel ist das folgende. Machen wir es ein bisschen spannender. Der Artikel wurde so auf Facebook gepostet:

Zigarettenstummel auf Gleisen kosten ein Vermögen! Milliarden sollen es sein. Die SBB macht zwar nur 87.7 Mio Franken Umsatz im Jahre 2015 aber trotzdem geben die Milliarden für die Entfehrnung der Zigarettenstummel aus.

Schon gewusst? Titel von verlinkten Facebook Einträgen kann man anpassen. Und das wurde hier scheinbar auch willentlich gemacht um mehr Personen anzulocken. Klicken wir doch mal auf den Artikel:

Ach was ist den nun passiert? Es sind nur noch Millionen? Wirklich? Keine Ahnung. Um das herauszufinden müsste ich mir das Video inklusive 30 Sekunden Werbung anschauen. Hier der Artikel.

Vorallem das Thema SBB scheint 20 Minuten wahnsinnig zu interessieren. Jeder kleine Fehler der die SBB macht wird sofort veröffentlicht. Am besten noch via Push Nachricht! (Aber das etwas für ein anderes mal)

Und das war auch noch längst nicht alles! Beispiele:

20 Minuten hat IS Propaganda veröffentlicht.

20 Minuten hat unverpixelte Bilder eines misshandelten Kindes veröffentlicht.

20 Minuten hat einfach mal ihre Zeitung fast unleserlich gemacht weil Werbeeinahmen.

Und zum Schluss dieser nicht abschliessenden Liste:

20 Minuten macht eins auf Blick und streicht kurzerhand das Wort „Privatsphäre“ aus dem Duden.

 

All die angesprochenen Fälle dienen nicht dazu einen guten Journalismus zu bieten, sondern sind rein auf Klicks und Geldmacherei ausgelegt.

20 Minuten hat eine gewisse Verantwortung

Ich persönlich finde, dass 20 Munuten eine Verantwortung hat. Und zwar als meistgelesene Zeitung der Schweiz die Bevölkerung zu informieren. Es darf lustig sein, es dürfen auch komische Artikel erscheinen oder man darf auch irgendwelche Nacktbilder als Thumbnail verwenden (wenn es zum Artikel passt).  Auch ist es völlig klar, dass 20 Minuten von Werbeeinahmen lebt. Das ist auch gut so – so machen Sie Nachrichten für alle zugänglich. Aber aktiv Nachrichten zu manipulieren um mehr Besucherzahlen zu erreichen ist nicht das Mittel zum Weg.

Bis 20 Minuten nicht wieder zum Journalismus zurückkehrt, rate ich allen an, die Seite nicht mehr zu besuchen. Oder ganz einfach einen Adblocker im Browser zu installieren.

 

Das nächste Segment über 20 Minuten (welches in einer Woche bis drei Jahre veröffentlicht wird) wird sich der Kommentarfunktion witmen. Nicht nur das aktive Fördern von rassistischen und doxxing Kommentaren sind Thema sondern auch die Zensur von nicht erwünschten Inhalten (wie z.B. Kommentare über den Artikel selbst).